Crowdlending: Eine echte Finanzierungsalternative für Vereine?

Crowdlending für Vereine
Her mit dem Geld! Crowdlending ist eine echte Alternative für Vereine

Darum geht’s: Crowdlending, Crowdinvesting, Kredit, Hertha BSC

Sind Online-Fundraising-Tools in allen Fällen hilfreich oder können sie auch schaden? Welche Tools für welchen Verein geeignet sind, muss jeder selbst entscheiden. Doch welche Arten von Spendentools sind kritisch zu betrachten und worauf gilt es zu achten? Wem gehören die Spenderdaten und welche Alternativen zu Online-Spendenformularen gibt es?

Der 21. März 2016 ist in die Crowdfunding-Geschichte eingegangen. Hertha BSC, Fußball-Bundesligist und Sportverein in Berlin, startete mit dem Berliner Fintech-Start-up kapilendo seine Crowdlending-Aktion. Der Verein suchte Privatanleger, um eine Million Euro zum Ausbau digitaler Kommunikationskanäle einzusammeln und bot dafür eine Rückzahlung innerhalb von drei Jahren und eine feste Verzinsung von 4,5 Prozent p. a. an. Diese Traumrendite in zinsarmen Zeiten wollten sich offensichtlich viele nicht entgehen lassen. 60 Tage waren für das Einsammeln angesetzt – aber bereits nach 9 Minuten und 23 Sekunden hieß es bei kapilendo „vollständig finanziert“. Die schnellste Kapitalkampagne Europas war abgeschlossen. Zwischen 100 und 10 000 Euro konnten Privatanleger investieren.

Crowdlending hat auch in Deutschland großes Potenzial

An diesem Beispiel werden zwei Trends im Crowdlending sichtbar, die für Vereine, die sich mit diesem Finanzierungsinstrument auseinandersetzen, wichtig sind. Erstens verfügte der Verein über eine breite Fanbase. „Wir haben bereits im Vorfeld der digitalen Finanzierung mit Hertha BSC gesehen, dass es ein sehr großes Interesse gibt. Es gab einen regelrechten Run auf unseren Newsletter“, berichtete Christopher Grätz, Gründer und CEO der kapilendo AG, damals. Und zweitens senkt die aktuelle Tiefzinsphase offenbar die Hemmungen, neue Investitionsmöglichkeiten anzunehmen, wenn der Vertragspartner vertrauenswürdig genug ist. Die Kapitalkampagne der Hertha war für Grätz deshalb „vor allem auch ein Zeichen dafür, dass Crowdlending auch in Deutschland ein enormes Potenzial hat“.

Plattformen gibt es, wie im Crowdfunding und Crowdinvesting, auch hier viele. Auxmoney und Funding Circle gelten als die Platzhirsche am Markt. Nach Angaben des Crowdfunding-Monitors der Plattform Fuer-Gruender.de finanzierten sich im letzten Jahr 4444 Projekte über Crowdlending mit einem durchschnittlichen Volumen von 17 254 Euro. Hohe Renditen sind dabei durchaus üblich. Die 4,5 Prozent der Hertha sind dabei eher durchschnittlich. Die privaten Investoren müssen allerdings damit rechnen, ihr Geld nicht wiederzusehen, denn eine Ausfallbürgschaft wie bei einer Bank gibt es nicht. Dafür aber natürlich einen Vertrag mit dem Kreditnehmer, was das Risiko auf den Insolvenzfall reduziert. Trotzdem investiert man in ein Geschäftsmodell mit dem Risiko des Totalausfalls. Zum Geschäftsmodell der Crowdlending-Plattformen gehört es deshalb fast immer, die Bonität der Kreditsuchenden zu beurteilen und auf dieser Grundlage den Zins festzulegen.

Wirtschaftliche Projekte eher bevorzugt

Ein Problem für viele Vereine ist die Refinanzierung. Es muss sich um Projekte handeln, die eine wirtschaftliche Perspektive haben und Einnahmen erwirtschaften. Die Spenderbrille ist dabei eher hinderlich. Hier geht es um ein echtes Geschäft. Schulen, die Schulgebühren von den Eltern nehmen, oder Vereine mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb haben da bessere Chancen. Projekte mit gemeinnützigem Charakter sind deshalb momentan noch rar – Projekte mit nachhaltigem wirtschaftlichem Ansatz dagegen umso öfter zu finden. Spektakulärstes Projekt war die Finanzierung einer Produktionserweiterung einer Kaffeeabfall-Brikett-Fabrik in Äthiopien mit 12 Prozent Rendite auf „bettervest“. Diese Plattform refinanziert besonders Projekte, die Investitionen in Energieeffizienz vornehmen und durch die eingesparten Energiekosten so eine Rendite erzielen können.

Für Heinz Schönemann, Geschäftsführer der Erbacher Regenbogenhaus gGmbH, der eine neue Heizanlage auf diese Weise finanzierte, ist das bettervest-Konzept sehr plausibel: „Wir erhalten eine neue Heizung, die sich selbst finanziert und die wir zurzeit nicht selbst hätten finanzieren können. Am Ende gibt es nur Gewinner.“

Crowdlending ist keine Konkurrenz für Banken

Die Banken, bisher Alleinunterhalter in der Finanzierung großer Vorhaben, sehen den Trend bisher eher gelassen. Im Gegenteil: Da viele Projekte meist einen noch höheren Finanzbedarf haben, kann Crowdlending dazu beitragen, die Bonität des Projektes zu erhöhen und so an das gewünschte Bankdarlehen zu kommen. Das eingesammelte Geld wird nämlich ähnlich wie Eigenkapital behandelt. Für Vereine, Start-ups und Initiativen bietet Crowdlending definitiv Vorteile, wie einen geringeren bürokratischen Aufwand im Vergleich zum klassischen Bankkredit und eine zügige Bearbeitung.

Text: Matthias Daberstiel
Foto: Fotolia/L.S.

Der Artikel ist in der Ausgabe 2/2017 des Fundraiser-Magazins erschienen.

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