Ist meine Organisation bereit für einen guten Fundraiser?

Darum geht‘s: Fundraising, Institutional Readiness, Organisationsentwicklung, Spenden

Immer wieder sind Klagen zu vernehmen, wie schwierig es doch sei, gutes Personal zu bekommen. Was also muss eine Organisation tun, um einen qualifizierten Fundraiser zu gewinnen und sinnvoll beschäftigen zu können? Denn um Fundraising in einer Organisation zu etablieren, ist weit mehr erforderlich, als eine Stelle zu schaffen und zu besetzen, wenn die Bemühungen langfristig von Erfolg gekrönt sein sollen.

Von Selma Reese

Fundraiser werden häufig dann gesucht, wenn finanzielle Engpässe entstehen, wenn öffentliche Mittel gekürzt, Anträge abgelehnt oder tarifliche Löhne nicht mehr in voller Höhe gezahlt werden können. Manchmal verbindet sich mit der Einstellung eines Fundraisers auch der Wunsch, sich aus der Abhängigkeit von Fördermitteln zu befreien, um langfristig planen und Mitarbeitern eine Perspektive bieten zu können.

Verständnis für Fundraiser innerhalb der Organisation

„Are we ready for a change?“ sollten sich Verantwortliche in einer Organisation allerdings fragen, bevor sie sich entschließen, Fundraising zu betreiben, und prüfen, ob sie „fundraising-tauglich“ sind. Oder anders ausgedrückt: Wie ist es um die „Institutional Readiness“ bestellt? In einer Organisation müssen eine ganze Reihe organisatorischer, finanzieller, strategischer und persönlicher Voraussetzungen gegeben sein, oder es muss die Bereitschaft bestehen, notwendige Voraussetzungen zu schaffen und Veränderungen herbeizuführen.

Auch wenn es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass Spendengelder nicht einfach fließen, nur weil ein Fundraiser eingestellt wurde, lässt sich dennoch häufig beobachten, dass Fundraiser frustriert sind, weil sie viel Kraft, Zeit und Energie darauf verwenden müssen, organisationsintern Überzeugungsarbeit zu leisten. Besonders an den Schnittstellen zum Beispiel zur Buchhaltung, IT oder zu Fachabteilungen entstehen oft Reibungsverluste, weil dort das Verständnis für die Erfordernisse des Fundraisings fehlt. Auf weitere Hindernisse treffen Fundraiser oft, weil sie keinen direkten und ausreichenden Zugang zu Informationen haben und nur schwer Themen identifizieren können, die sich für die Spendenwerbung eignen. Wer heute jedoch nicht konkret sagen kann, wofür Spenden gebraucht werden und was sie bewirken können, und wer nicht genau belegen kann, wie sie ausgegeben werden, arbeitet nicht transparent und wird es deshalb schwer haben.

Alle Beteiligten einbeziehen

Fundraising in einer Organisation einzuführen kann aber auch als Chance zur Organisationsentwicklung genutzt werden, indem die damit zusammenhängenden grundsätzlichen Fragen Reflexionsprozesse in Gang setzen. Ob es sich dabei um Kernbotschaften, um die strategische Ausrichtung oder die Einstellung zum Geld dreht, ist genauso entscheidend wie die Frage, ob Abläufe umgestellt oder neue Technologien eingeführt werden sollen. Es ist immer ratsam, alle Beteiligten – ob Vorstand, Aufsichtsgremien oder Mitarbeiter – mit einzubeziehen.

Für etablierte Fundraising-Abteilungen oder Organisationen, die auf Fundraising ausgerichtet sind, stellen sich solche grundsätzlichen Fragen zwar nicht mehr, doch auch sie durchlaufen verschiedene Phasen. Veränderungen können beispielsweise aus der Erweiterung oder Differenzierung der Aufgabenbereiche resultieren oder durch Krisen erforderlich werden. Wer solche Anlässe als Chance sieht, kann durch Organisations- und Gruppenprozesse auf verschiedenen Ebenen dafür sorgen, dass Kenntnisse erweitert und Kompetenzen verstärkt werden.

Kurzum, wer einen guten Fundraiser finden möchte, muss sich vorher über die Rahmenbedingungen im Klaren sein und notwendige Voraussetzungen schaffen, bevor eine Position besetzt wird.

Foto: absolut 100/Fotolia

Anhand der Checkliste können Sie prüfen, ob Ihre Organisation bereit ist für einen guten Fundraiser.

Selma Reese ist Dipl.-Theologin, Kommunikationswirtin und Dipl.-Coach (ECA) und hat viele Jahre in leitenden Funktionen bei verschiedenen diakonischen Einrichtungen und Entwicklungshilfe-Organisationen sowie in Schweizer Agenturen gearbeitet. Seit 2014 ist sie selbstständig als Redakteurin, Coach und Trainerin, wobei sie Organisationen in Fragen strategischen Fundraisings berät und begleitet.

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