Saubere Sache: SapoCycle setzt auf Seifenrecycling

Viel Anerkennung durch den Job bei SapoCycle
Viel Anerkennung durch den Job bei SapoCycle

Darum geht's: Recycling, Hotels, WohnWerk Basel, Manor, Excellence in Tourism

Händewaschen kann die Sterblichkeitsrate um fast 50 Prozent verringern. Das setzt natürlich Seife voraus. Die wiederum landet vor allem in Hotels oft nach einmaligem Gebrauch im Müll. Das muss nicht sein. Die Stiftung SapoCycle sammelt Seifenreste, bereitet sie wieder auf und verteilt sie an sanitäre Einrichtungen in Schwellenländern.

Als Dorothée Schiesser mit ihrem Ehemann, Direktor eines Luxushotels, einige Jahre in Kamerun lebte, bemerkte sie den „Kontrast zwischen dem Luxus im Hotel und dem sehr bescheidenen Leben der mittellosen Menschen rundherum in der Stadt“. Sie wusste: Jährlich sterben Millionen Kinder an den Folgen von Durchfallerkrankungen und akuten Infektionen der unteren Atemwege. Sie wusste auch, dass Händewaschen mit Seife der effektivste Weg ist, Kindersterblichkeit zu verringern. Denn Händewaschen wirkt wie eine Selbstimpfung. Ihr wurde klar, genau hier einen wichtigen Beitrag für bessere sanitäre Verhältnisse in armen Regionen leisten zu wollen. Das würde sie schaffen, denn 4- und 5-Sterne-Hotels allein in der Schweiz produzieren jedes Jahr über 150 Tonnen Seifenreste.

WohnWerk Basel erster Partner

Dorothée Schiesser gründete die nicht gewinnorientierte Stiftung SapoCycle unter dem Dach der „Fondation des Fondateurs“ mit einfachem als auch fordernden Zweck. Schweizer Hotels sorgen dafür, dass ihre Seifenreste eingesammelt und auf ihre Kosten den Partnerorganisationen in der Schweiz für die Wiederaufbereitung zur Verfügung gestellt werden. Sie werden recycelt und durch weitere Partnerorganisationen an sanitäre Einrichtungen in Schwellenländern verteilt.

Wie aber funktioniert Seifen-Recycling? Weltweit gibt es nur zwei Projekte, die sich mit dem Thema beschäftigen. Dorothée Schiesser lernte von freiwillig Engagierten aus Unternehmen in den USA und von Studierenden in Hongkong. Für sie begann ein kleines Studium, um die Herstellung von Seifen zu entwickeln und aufzusetzen, bis sie im April 2015 die Produktion startete.

Erste Partnerorganisation wurde das WohnWerk in Basel, eine Inklusionsinitiative für Menschen mit Beeinträchtigungen. Dort werden die Seifen in Handarbeit sortiert, gereinigt, gehäckselt, verrührt, extrudiert, gepresst, geschnitten und verpackt. Heute beschäftigt die soziale Institution vier bis sechs Mitarbeitende mit einer geistigen Beeinträchtigung. Pia Tinner, Leiterin des WohnWerk-Seifenhersteller-Projektes, ist froh, dass sie sich mit ihren individuellen Fähigkeiten in das Seifen-Projekt einbringen können.

Unternehmen suchen nach Exklusivität

Als Josef Reinhardt, Leiter der Katastrophenhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes, das WohnWerk in Basel Anfang April 2016 besuchte, stand die erste Lieferung bereit. 500 Kilogramm recycelter Seife sollten in einem Projekt in Weißrussland eingesetzt werden, um die hygienischen Bedingungen für Kinder und Familien zu verbessern. Heute stellt das Schweizerische Rote Kreuz Ländern wie Afrika, Weißrussland und Bulgarien die recycelten Seifen zur Verfügung. Tausende dieser Seifen gingen 2016 ins In- und Ausland – an Menschen, die von Armut und Flucht betroffen sind: nach Kamerum, Griechenland, Rumänien, aber auch in die Nordschweiz.

Pressearbeit, Social-Media-Aktivitäten und Mund-zu-Mund-Propaganda sorgen für Aufmerksamkeit. Das Interesse der Medien reißt nicht ab. Das kommt der Stiftung und ihrem Projekt zugute. Mittlerweile senden über 70 Hotels ihre angebrochenen Seifen per Post nach Basel. Neben Hotels springen auch andere Unternehmen auf. Sie suchen nach Exklusivität, die es nicht zu kaufen gibt. Etwas, das für ihre Mitarbeiter speziell hergestellt werden kann – für ein nachhaltiges Geschenk. So unterstützte Manor, die größte Schweizer Warenhauskette, das engagierte Projekt zudem mit einer großzügigen Spende.

Fundraising steckt bei der Stiftung noch in den Kinderschuhen. Unterstützung erhält sie von Soroptimist International, einer Service-Organisation berufstätiger Frauen mit gesellschaftspolitischem Engagement. Stiftungsfundraising und Crowdfunding werden folgen. Dorothée Schiesser setzt auf Diversität und möchte verschiedenste Einnahmequellen nutzen. Noch unterstützt sie das Projekt finanziell auch persönlich.

Stabile Arbeitsplätze schaffen gesellschaftliche Anerkennung

Inhaltlich basiert die Arbeit im Projekt auf drei Säulen: einer ökologischen, einer sozialen und einer humanitären. Auf der ökologischen Seite stehen 150 bis 200 Tonnen recycelte Hotelseifen. Der soziale Aspekt findet sich in der Schaffung stabiler Arbeitsplätze für Erwachsene mit Beeinträchtigungen und somit gesellschaftlicher Anerkennung für sie. Hygiene-Erziehung und Sauberkeit verhindern die Ausbreitung von Krankheiten und den Tod von Millionen Kindern, was den humanitären Aspekt darstellt.

Seit nunmehr zwei Jahren arbeitet Dorothée Schiesser mit ihrem Team an der Umsetzung. Die Stiftung SapoCycle wurde Ende 2016 für die Schweizer Milestones 2016 "Excellence in Tourism" in der Kategorie Nachhaltigkeit nominiert. Diese positive Entwicklung soll anhalten und es soll nicht bei 700 Seifen pro Tag bleiben. Die Stiftungsgründerin möchte noch in diesem Jahr Mitarbeiter aus Hotels in Deutschland und Frankreich motivieren – für eine saubere Sache.

Text: Katja Prescher
Foto: Daniel Nussbaumer

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