Geld aus der Traumfabrik: Als Drehort zu mehr Einnahmen

Einige Szenen von "Game of Thrones" wurden im Kloster Eberbach gedreht
Einige Szenen von "Game of Thrones" wurden im Kloster Eberbach gedreht

Darum geht‘s: Stiftungen, Weimar, Leuchtenburg, Game of Thrones, DSDS

Was haben der „Tatort“ und „Game of Thrones“ (Foto) gemeinsam? Beide spülten als Filmkulisse Geld in die Kassen von denkmalschützenden Stiftungen. Finanziell scheint es sich zu lohnen. Für die Öffentlichkeitsarbeit ist es unbezahlbar, wie die Beispiele Kloster Eberbach und Leuchtenburg bei Seitenroda zeigen.

Als im Februar 2017 der „Tatort“ aus Weimar über die Bildfläche flimmerte, sorgte nicht nur der „Exkreminator 7000“ für die Windelabfälle einer Kita, sondern auch die Leuchtenburg bei Seitenroda mit ihrem Porzellanmuseum als Drehort für Aufsehen. Schon in den erste Minuten waren die größte Porzellanvase und die kleinste Porzellankanne der Welt zu sehen. Die beiden Superlative sind Höhepunkte des Museums „Porzellanwelten Leuchtenburg“.

Das über 800-jährige Burgensemble, das im Volksmund gern als die „Königin des Saaletals“ bezeichnet wird, hatte harte Zeiten hinter sich: Herrschafts- und Verwaltungssitz, Irren- und Armenhaus und später Jugendherberge. Die Burg war 1997 marode und am Ende. Der engagierte und der Burg verbundene Unternehmer und Tourismusexperte Sven-Erik Hitzer errichtete in Rekordzeit eine gemeinnützige Stiftung, die die Burg erwerben konnte. „Uns war und ist es wichtig, die Burganlage in ihrer Einzigartigkeit zu erhalten und gleichzeitig durch moderne Bauten zu ergänzen. Auf diese Weise möchten wir die Leuchtenburg mit ihrer spannenden Geschichte in das 21. Jahrhundert überführen“, erläutert er sein Anliegen.

Geschäftsmodell Drehort

Dieses Konzept kam offenbar auch bei Location-Scouts gut an. Diese suchen für Film- und Fernsehproduktionen spannende Drehorte und da sind Burgen und Klöster schon mal ganz weit vorn. Davon weiß auch Martin Blach, Vorstand der Stiftung Kloster Eberbach, zu erzählen. Sein Kloster profitiert noch heute vom spektakulären Filmdreh in den 1980er-Jahren zu „Der Name der Rose“. 80 Prozent der Filmaufnahmen entstanden dort und bereiteten Blachs Vorgänger einiges Kopfzerbrechen.

Blach hat mittlerweile mit der Vermarktung des Klosters als Drehort dagegen schon viel Erfahrung und daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Auf seiner Website können sich Produktionsfirmen und Scouts professionell über den Drehort informieren. „Wir bekommen etwas zwölf Anfragen für Drehgenehmigungen pro Jahr und darunter sind auch immer zwei, drei dicke Fische“, weiß er zu berichten. Über Zahlen möchte niemand sprechen, aber Produktionen wie das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) oder die internationale Erfolgsserie „Game of Thrones“ gehören zweifelsohne zu den Produktionen mit tieferen Taschen.

Hohe Aufmerksamkeit

Die Zusammenarbeit mit den Drehteams beschreibt Blach als hochprofessionell und Win-win-Situation. Denn die Erträge fließen in den Erhalt der 900-jährigen Klosteranlage, die in Betrieb und Unterhalt nicht auf öffentliche Zuschüsse hoffen kann, und die öffentliche Aufmerksamkeit kommt noch hinzu. Da kam ihm selbst DSDS gerade recht. Auf der Habenseite standen aus der Sicht der gemeinnützigen Stiftung besonders die sehr große Reichweite der TV-Show, immerhin 3,64 Millionen Zuschauer, sowie die große Aufmerksamkeit, die ein solches Format mit sich bringt. „Wer die Sendung und damit unser Kloster und die Basilika gesehen hat, erkennt sofort, was für ein besonderer Ort Kloster Eberbach ist“, so Blach. Natürlich sei ein solches Vorhaben in einem denkmalgeschützten Ensemble nie unumstritten, aber gerade für die Markenbildung häufig sehr erfolgreich. „Ich kann nur jedem, der solche Locations hat, zuraten, das zu wagen und ins kalte Wasser zu springen“, so Blach.

Nachahmern empfiehlt er, sich im Vorfeld über die Produktionsfirma schlauzumachen und sogenannte Motivmietverträge nicht ohne anwaltliche Prüfung abzuschließen. Gerade für historisches Gelände seien Versicherungen Pflicht, denn wenn etwas passiert, steht hinter jeder TV-Produktion ein Heer von Anwälten.

Verträge und Mieten

Vergleichszahlen zu den zu erzielenden Mieten sind rar. Fernsehproduktionen zahlen für die Überlassung von Wohnungen oder Häusern schon Motivmieten von einer monatlichen Kaltmiete pro Drehtag. Bei einem Nobelhotel können dagegen schon 5000 Euro fällig werden. Denn auch der Verdienstausfall spielt bei der Festsetzung eine Rolle. Nebenkosten sollten immer extra berechnet werden, sonst erlebt man böse Überraschungen.

Zum Win-Win gehört aber vor allem der langfristige Effekt. Immer noch sind die jährlichen Veranstaltungen zum Film „Der Name der Rose“ oder die Führungen zu den Drehorten im Kloster Eberbach ein Renner. Blach hat sich sogar die Filmrechte an einigen Innenaufnahmen vom Besitzer Constantin-Film gesichert und kann die nun zur Präsentation nutzen. „Dabei hat uns unser gemeinnütziger Status zweifelsohne etwas geholfen.“

Von dieser Aufmerksamkeit will nun auch die Leuchtenburg profitieren. Eine Tatort-Krimi-Führung ist schon fest im Programm. Gemeinsam mit dem Kahlaer Porzellanwerk hat die Stiftung Leuchtenburg Bierdeckel entworfen, welche die beiden Ermittler Kira Dorn und Lessing – verkörpert von Nora Tschirner und Christian Ulmen –  zieren. Unter dem Motto „Auf zu den echten Tatorten“ werben sie in Kneipen, in denen immer sonntags der „Tatort“ läuft, für einen Besuch der Leuchtenburg.

 

So kommt Ihre Burg zum Film

Location-Scouts suchen Motive, die Produktionsfirmen schließen dann Motivmietverträge ab. Der Bundesverband der Location-Scouts e.V. und Location Networx haben jeweils ein Merkblatt für Motivgeber entwickelt.

www.bvlocation.de/downloads/Merkblatt_Motivgeber.pdf

www.location-networx.de/german/Merkblatt_Motivgeber.pdf

Muster für einen Motivmietvertrag:

www.bvlocation.de/downloads/Motivmietvertrag.pdf

 

Text: Matthias Daberstiel
Foto: PR

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