Schweiz profitiert von reicher Stiftungslandschaft

Podiumsdiskussion beim Schweizer Stiftungstag 2017
Angeregte Diskussion mit Ulrike Erbslöh, Fondation Beyeler, Dr. Ursula Gut-Winterberger, Zürcher Festspielstiftung, Dr. Christoph Degen, proFonds, Dr. Nina Zimmer, Kunstmuseum Bern und Juriaan Cooiman, Culturescapes

Darum geht's: Schweiz, Stiftungstag, Spendenvortrag, Basel, Datenschutz

Der Schweizer Stiftungstag zeigte in dieser Woche in Basel nicht nur die Vielfalt, sondern auch die Wichtigkeit des Stiftungsbereichs für die Zivilgesellschaft und die Kultur der Schweiz. Der veranstaltende Interessenverband der gemeinnützigen Stiftungen der Schweiz „proFond“ erhofft sich weitere Verbesserungen für den Stiftungsstandort.

Über 300 Stiftungsvertreter kamen am 8. November in der Stiftungshauptstadt der Schweiz, in Basel, zum Schweizer Stiftungstag zusammen. Im Haus des Pharmariesen und Kunstmäzens Hoffmann-La Roche stellte sich schnell ein intensiver Austausch über die verschiedensten Themen ein.

Großspenden sollen erleichtert werden

Diskutiert wurden dabei speziell die zu erwartenden Veränderungen im Schweizer Stiftungsrecht durch die sogenannte Luginbühl-Initiative. Eine Parlamentsinitiative, die auch vom veranstaltenden Stiftungsverband proFond aktiv durch Lobbyarbeit begleitet wurde, wie dessen Geschäftsführer Dr. Christoph Degen durchaus zufrieden darlegte. Erwartet wird momentan, dass spätestens 2018 die bereits in verschiedenen Gremien diskutierten Veränderungen in Kraft treten. Dazu gehört insbesondere der sogenannte Spendenvortrag. Das heißt: Teile von großen Spenden, die über den gesetzlichen Grenzen für die steuerliche Absetzbarkeit liegen, in den Folgejahren noch absetzen zu können. Dieses Prinzip ist in Deutschland seit der Stiftungsreform 2007 bereits bekannt, was Dr. Degen mit dem süffisanten Hinweis kommentierte, dass bei diesem Thema Peer Steinbrück als damals verantwortlicher Finanzminister der Schweiz wirklich mal voraus gewesen sei. Offensichtlich trägt man dem forschen Peer seine „Kavallerieattacke“ auf das Schweizer Bankengeheimnis immer noch nach. Teil der Initiative sind auch ein Gemeinnützigkeitsregister für Vereine, denn die Stiftungen müssen in der Schweiz schon im Handelsregister eingetragen sein, und die weitere Schaffung von steuerlichen Anreizen für Erblasser, wenn sie Teile ihres Erbes an gemeinnützige Zwecke innerhalb einer Frist weitergeben.

Kein Geldwäsche-Generalverdacht gegen Schweizer NPOs

Bei der Stiftungsaufsicht wird es dagegen keine Änderungen geben. Im Gegenteil: Die Kantone als Aufsichtsträger sollen sogar gestärkt werden, indem den Gemeinden das Aufsichtsrecht entzogen und auf die Kantone übertragen wird. Positiv wurde auch ein Bericht von Dr. Roman Baumann-Lorant von proFond aufgenommen, der die Ergebnisse eines Berichts einer Taskforce zur Geldwäsche im NPO-Sektor vorstellte. Danach sei ein Generalverdacht gegen Stiftungen und NPOs in der Schweiz nicht gerechtfertigt. Empfohlen wurde lediglich, dass Vereine, die Geld aus dem Ausland erhielten, sich ebenfalls in ein Mitgliederverzeichnis eintragen sollten. Dazu gibt es bereits eine Initiative der Nationalrätin Doris Fiala.

Datenschutzgesetz in der Kritik

Kritisiert wurde der erste Entwurf des neuen Schweizer Datenschutzgesetzes. In der Diskussion wurde allerdings auch deutlich, dass sich viele mit diesem Thema bisher noch nicht beschäftigt hatten und dass es noch sehr unklar ist, welche Änderungen es bei dem aus der Vor-Google-Ära stammenden Gesetz von 1992 geben wird. Klar ist allerdings, dass man sich an der Novelle des Datenschutzgesetzes der EU in 2018 orientieren wird.

Kampf um Sponsoren wird härter

Durchaus erlebnisreich war die Podiumsdiskussion zur Rolle von Stiftungen für die Kultur der Schweiz. Dr. Ursula Gut-Winterbeger, ehemalige Regierungsrätin und Präsidentin der Zürcher Festspielstiftung, berichtete, dass 40 Prozent des Etats der Zürich-Festspiele mittlerweile durch Spenden und Zuwendungen von Stiftungen aufgebracht werden müssten, weil sich der Staat aus dieser Verantwortung deutlich zurückziehe. Sie beklagte zudem, wie schwierig es geworden sei, Unternehmen als Sponsoren für die Kultur zu gewinnen. Ähnliches berichtete auch Dr. Nina Zimmer, Direktorin des Kunstmuseums Bern, die gerade die weltweit Beachtung findende Gurlit-Ausstellung eröffnet hat. So sei die Provenienzforschung des Hauses komplett privat finanziert. Ein Förderer ist die Rudolf Streit Stiftung. „Wir müssen sehr um unsere Sponsoren kämpfen“, stellte Zimmer fest und betonte, wie wichtig eine enge Kooperation und zugleich eine intensive Recherche für die Gewinnung privater Förderer und Stiftungen seien. Die Sorgfalt der Recherche von Förderstiftungen relativierte Juriaan Cooiman, Direktor „Culturescapes“ und Präsident von swissfestivals, allerdings sofort. Er wundere sich schon sehr, wie oft er als operative Stiftung mit Förderanträgen konfrontiert sei. Hier sei bei der Gesuchstellung noch Luft nach oben. Dabei gibt es mit stiftungschweiz.ch bereits ein außergewöhnlich effektives, aber nicht kostenfreies Tool für die Stiftungsrecherche in der Schweiz.

Einen Blick in die Zukunft wagte Jan Uekermann vom Mager Giving Institute und Raisenow, der den Stiftungen ins Stammbuch schrieb, die Digitalisierung anzunehmen und nicht auszusitzen. Insgesamt zeigte dieser Stiftungstag, welch große Rolle die Stiftungen in der Schweiz gesellschaftspolitisch und kulturell mit ihrer Finanzkraft trotz Niedrigzinspolitik bereits spielen. Eine Qualität, von der man in Deutschland und besonders in Österreich noch weit entfernt ist.

Text: MD
Foto: © Ivana Gomez für proFonds

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